Unser täglich Brot
Österreich 2005
Unser täglich Brot zeigt jene Orte, an denen in Europa Nahrungsmittel produziert werden: für Fahrzeuge optimierte, plastifizierte, surreale Landschaften; sterile Räume, in funktioneller, industrieller Architektur, für logistisch-effiziente Abläufe entwickelt; Maschinen, die kalkulierbare Produkte zum reibungslosen Ablauf benötigen. Was wie eine Welt des Science Fiction aussieht, ist Realität. Unsere Nahrung wird in futuristischen Räumen produziert, die selten in den Blickwinkel der Gesellschaft geraten. Für Menschen ist hier wenig Platz, sie wirken wie Fehler in diesem System, falsch dimensioniert, klein, verletzlich, auch wenn sie sich bestmöglich anpassen: hygienische Kleidung, Kopfhörer, Schutzhelme. Man findet sie an den Stellen im Produktionsablauf, für die noch nicht die richtigen Maschinen erfunden wurden. Wenn eine Arbeiterin Pause macht, um zu essen, erscheint das wie ein absurder Kontrast, verweist aber auf den eigentlichen Zweck der utopisch erscheinenden Produktionshallen.
Genau kadrierte Plansequenzen nehmen es mit der Effizienz des Systems auf, machen sie deutlich, stellen sie aus, nähern sich ihr mit einer Mischung aus Faszination und Schaudern. Unser täglich Brot zeigt die industrielle Nahrungsmittelproduktion als Spiegelbild unseres gesellschaftlichen Wertekanons: viel, einfach, schnell, wenige produzieren für uns alle. Kommentarlos und ohne erklärende Interviews entfaltet sich der Film auf der Leinwand wie ein irritierender Traum: ein insistierender Blick, begleitet vom Flirren, Rattern, Schlagen, Schlürfen, hydraulischen Atmen der Maschinen - nur Hühnergeschrei ist lauter.
Unser täglich Brot ist eine Einladung an die Neugierde, den Dingen auf den Grund zu gehen; zum Schauen, Hören und Staunen, zum Assoziieren und Nachdenken über den gegenwärtigen Stand unserer Zivilisation. Erst wenn wir etwas wahrnehmen, können wir es auch glauben.
Originaltitel: Unser täglich Brot
Deutscher Titel: Unser täglich Brot
Format: 35mm
Projektionsformat: 1:1,85
Länge: 92 Min.
Farbe: Farbe
Starttermin: 2006-04-21
Regie: Nikolaus Geyrhalter
Drehbuch: Wolfgang Widerhofer, Nikolaus Geyrhalter
Auszeichnungen: Adolf-Grimme-Preis 2008 in der Kategorie Information & Kultur.
Ashland independent film festival 2007: Best feature length documentary.
Festival internacional de cine contemporaneo de la ciudad de Mexico 2007: Spezialpreis Jurado Pfizer.
Festival International du Film d'Environnement, Paris, 2006: Grand Prix.
Rencontres internationales du documentaire de Montréal 2006: EcoCamera Preis.
Nominierung zum Europäischen Filmpreis - Prix Arte 2006.
Internationales Dokumentarfilmfestival Jihlava 2006: Sonderpreis der Jury.
Ecocinema International Film Festival Athen 2006: Bester Film.
Hot Docs Canadian International Documentary Festival Toronto 2006: Honourable Mention - Special Jury Prize - International Feature.
Visions du Réel Nyon 2006: Special John Templeton Prize.
Amsterdam 2005: Special Jury Award.
Kamera: Nikolaus Geyrhalter
Schnitt: Wolfgang Widerhofer
Ton: Stefan Holzer, Andreas Hamza, Hjalti Bager-Jonathansson, Ludwig Löckinger, Heimo Korak, N. Scherg
Produktion: Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion GmbH
Verleih: Stadtkino
Prädikat: k.A.
Altersfreigabe: Ab 10 Jahren

