"I don't mean nothin' by it, darlin', but I ain't never been with a black man in my life." Cynthia, echter britischer White Trash - vulgär, hysterisch, liebenswert und zerbrechlich dargestellt von Brenda Blethyn, widerspricht der jungen Farbigen, die behauptet, ihre leibliche, vor 28 Jahren zur Adoption freigegebene Tochter zu sein. Bis die Einsicht kommt, die Erklärung, von der sie nicht sprechen möchte, die sie nur zum Weinen bringt. Größtenteils in Improvisationsarbeit entstanden, erzeugt Secrets and Lies auf ganzer Länge eine gewisse irritierende Oberflächenspannung, die jene Szenen, die Schamverletzungen, Peinlichkeiten oder Demütigungen beinhalten, fast schmerzhaft auf den Zuschauer wirken lassen. Sirks Imitation of Life, hier in voller Rauheit, jedoch ohne melodramatisches Ende in die 90er weitergedacht. “Die familiäre Konstellation in allen Details auzubreiten, nimmt sich Leigh jene Zeit, die auch das Leben verlangt, wenn es nicht zum Kino gerinnt. In dieser Spanne eingehender Beobachtung werden Gefühlsregungen, die sonst unscheinbar blieben, zum eigentlichen Thema des Films: das Zaudern Cynthias, sich zu Hortense zu bekennen, nachdem diese erste telefonische Kontakte suchte, und das jähe Umschlagen in den Überschwang, mit dem sie das erwachsene Kind schließlich in die Arme schließt, das Cynthia weggegeben hatte, als sie selber noch ein Kind von fünfzehn gewesen war.” (Hans-Dieter Seidel, Frankfurter Allgemeine Zeitung) [mm]

Originaltitel: Secrets and Lies
Deutscher Titel: Lügen und Geheimnisse
Format: 35 mm
Länge: 142 Min.
Fassung: Englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Farbe: Farbe
Starttermin: 1996-09-13
Regie: Mike Leigh
Drehbuch: Mike Leigh
Darsteller: Brenda Blethyn, Marianne Jean-Baptiste, Timothy Spall, Phyllis Logan, Claire Rushbrook
Auszeichnungen: Cannes 1996: Goldene Palme Bester Film und Beste Darstellerin (Brenda Blethyn)
Kamera: Dick Pope
Schnitt: John Gregory
Musik: Andrew Dickson
Ton: George Richards
Produktion: Ciby 2000, Thin Man Films, Cha
Verleih: Stadtkino Wien
Prädikat: Besonders Wertvoll
Altersfreigabe: Nicht eingereicht

Stadtkino Zeitung Nr. 299