Frankreichs renommiertester Dokumentarist Raymond Depardon widmet sich in seiner meisterhaften, brillant geschnittenen, neuen Arbeit wieder dem französischen Justizsystem: 10. Pariser Strafgericht - Momente von Verhandlungen dokumentiert Strafprozeß-Schnellverfahren. Was zunächst als geradezu täuschend heiteres Dokument von Routinefällen beginnt, erweist sich als mitreißender Essay über Gesellschaft, Rechtsprechung und (soziales) Rollenspiel. Eine kontemporäre comédie humaine. (Christoph Huber) Anhörungen und Schnellverhandlungen, zwölf Fälle von Kleinkriminalität vor einem Pariser Gericht: Der neue Film des Dokumentaristen Depardon zeigt bleiche, ängstliche Angeklagte, die ihr soziales Fehlverhalten - von Telefonterror bis zu unerlaubtem Waffenbesitz - erklären müssen, er zeigt das billige Moraltheater der Junganwälte, die nervliche Anspannung der Richterin und ihre seriellen Schuldsprüche. Depardon führt vor, wie dünn die Grenzen zwischen "bürgerlich" und "asozial" tatsächlich sind, wie unmerklich und unerwartet der Übertritt ins Kriminelle stattfinden kann. (Stefan Grissemann)

Originaltitel: 10e chambre - Instants d'audiences
Deutscher Titel: 10. Pariser Strafgericht - Momente von Verhandlungen
Format: 35mm
Projektionsformat: 1:1,66
Länge: 105 Min.
Fassung: Französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Farbe: Farbe
Starttermin: 2005-01-14
Regie: Raymond Depardon
Kamera: Justine Bourgade, Raymond Depardon
Schnitt: Simon Jacquet
Ton: Claudine Nougaret
Produktion: Palmeraie et Désert, France 2
Verleih: Stadtkino Wien
Prädikat: k.A.
Altersfreigabe: Jugendverbot

Stadtkino Zeitung Nr. 414