Was taten Sie gerade, als Ceauşescu gestürzt wurde? 12:08 östlich von Bukarest hat uns auch an die Filme von Mircea Danieluc erinnert, beziehungsweise an das, was uns die Typologie der rumänischen Filmkomödie zu sein scheint.

Ich spielte damals Tischtennis, ich war 14 Jahre alt. Als ich nach Hause kam, verfolgte meine Familie die Ereignisse vor dem Fernseher und ich setzte mich zu ihnen. Danieluc mag ich sehr. Der Humor ist eine ganz wichtige Komponente in der Kultur der östlichen Länder.

Könnten Sie uns etwas zu den Darstellern sagen?

Zwei der Hauptdarsteller kenne ich seit meiner Kurzfilmzeit, ich habe beim Schreiben des Drehbuchs an sie gedacht. Auch der dritte Schauspieler kommt vom Theater. Sie arbeiten alle drei selten in Bukarest, hauptsächlich in anderen Städten. Für die Darsteller des Journalisten und des Professors war es sogar die erste Langfilm-Erfahrung.

Wie wichtig ist die Stille?

Ich benutze Musik nicht gerne als Untermalung und Unterstützung, für mich sind die Beziehungen innerhalb des Films wichtig. Das habe ich weniger geplant als gefühlt und dann eben auf diese Weise ausgedrückt.

Für uns im Westen wirkt die Diskussion über die Uhrzeit, 12.08, sehr komisch. Erst nachher versteht man die Bedeutung. Ist es in Rumänien wirklich so? Gibt es diese Diskussion auch heute noch?

Nein. Der Film erzählt von der Marginalität. Mich hat interessiert, was in der Peripherie passiert ist. Einige Personen haben versucht, an der Geschichte teilzunehmen. Ich habe auf jeden Fall in den damaligen Zeitungen recherchiert: Es gab tatsächlich eine Debatte zum Thema: „Haben wir an der Revolution teilgenommen?“
Außerdem hat jeder seine eigene Wahrheit, die auf seinen Erinnerungen basiert. Das hat mich eigentlich interessiert. Die Zeit vergeht schnell, es gibt viele Veränderungen. Und es gibt verschiedene Theorien zu dem, was passiert ist.

Ein wunderschöner Film! Wo kommt diese Band her, die auf ihre ganz eigene Art spielt, bevor der Journalist sie zur Ordnung ruft?

Das ist eine wirklich existierende Band. Sie wurde erst später ins Drehbuch eingefügt. Sie spielt in einem Kurs in einer Musikschule. Seifenopern sind ein Mittel zur Verbreitung der lateinamerikanischen Kultur in Rumänien. Und die Band im Film versucht, dieses Musikgenre zu imitieren. Danach spielen sie ein rumänisches Volkslied.

Ich kenne Rumänien gut und liebe das Land sehr. In 12:08 östlich von Bukarest haben mir die Nuancen sehr gefallen: die Öde der Ceauşescu-Bauten, die Wohnblocks, für deren Errichtung wunderschöne Plätze, ja sogar alte Städte zerstört wurden. In welcher Stadt haben Sie gedreht?

In Vaslui, meiner Heimatstadt, in dem Viertel, in dem ich aufgewachsen bin. Und in Wohnungen von Freunden.

Könnten Sie uns das Bild mit den Straßenlampen, die aufgedreht werden, genauer erklären?

Das ist das Ende des Films. Mehr sage ich dazu nicht. Jeder hat seine eigene Wahrheit und Sicht von der Welt. Daher hat auch jeder seine eigene Theorie, wie die Straßenlampen aufgedreht werden.

Es gibt viele Filme, in denen es um Verhöre und polizeiliche Untersuchungen geht. Aber Sie waren zur Zeit Ceauşescus noch so jung. Hat sich das auf die Szene mit der Fernsehübertragung ausgewirkt?

Eigentlich nicht, die Idee ist mir gekommen, als ich die Fernsehsendung gesehen habe. Zuerst habe ich gelacht, dann habe ich mich geärgert und den Fernsehapparat abgedreht. Ab diesem Zeitpunkt wollte ich herausfinden, was um 12.08 passiert ist.
In den Jahren des kommunistischen Regimes mußte ich nach der Schule mit meinen Klassenkameraden marschieren, um irgendwelche Ereignisse zu feiern. Mir war aber nicht wirklich bewusst, was ich tue.

Sie haben mit lauter Schauspielern vom Theater gearbeitet. Stand der Text schon zur Gänze im Manuskript oder wurde auch improvisiert? Bei der langen Szene im Fernsehstudio sind die Pointen zeitlich perfekt gesetzt.

Zuerst habe ich das Drehbuch geschrieben, dann habe ich zehn Tage lang gedreht. Abends und nachts nach den Diskussionen mit den Schauspielern änderte ich das Manuskript, nahm Streichungen vor und schrieb Stellen um. In der Szene im Fernsehstudio ist jeder Satz essentiell. Die Aufnahmen dafür haben sechs Tage gedauert.

Warum verteidigt nur ein Ausländer den Professor in dieser Debatte, die mehr und mehr zum Prozess wird?

Weil der Ausländer zum Schluß sein einziger Freund ist. Dieser Film erzählt vom Schein: Man beschuldigt ihn zu trinken, weil ein Held kein Trinker sein darf.
Ich interessiere mich sehr für das Thema, welchen Einfluß die Erinnerung auf unsere Geschichte hat. In diesem Sinn existiert keine historische Wahrheit.