Wax & Gold


In WAX & GOLD wählt Ruth Beckermann ein von Kaiser Haile Selassie erbautes Hotel in Addis Abeba als Ausgangspunkt für filmische Erkundungen eines Ortes, der ihr zugleich vertraut und fremd ist. In assoziativen Bewegungen verbindet der Film Archivmaterial über ein wenig bekanntes Kapitel des Faschismus mit Gesprächen über Äthiopiens Vergangenheit und Gegenwart. So entfaltet sich eine persönliche Reflexion über den europäischen Blick und die widersprüchlichen Ebenen historischer Wahrheit

“Ich denke, am Ende spricht man immer über sich selbst, webt einen neuen Faden in das Geflecht der eigenen Erfahrungen, der europäischen Geschichte.” Ruth Beckermann

La Gradiva


Eine Gruppe französischer Gymnasiast*innen reist im Rahmen einer Klassenfahrt nach Neapel, um die Ruinen von Pompeji und die vom Vesuv versteinerten Körper zu besichtigen. Dort beginnt ein innerer Abstieg: Einer nach dem anderen wird von Begierde und Wut erfasst, bis sie sich diesen Gefühlen vollständig hingeben.

Gimme Danger


Die Geschichte der Stooges um Iggy Pop: Aufstieg, Zerfall und spätere Reunion werden durch Archivaufnahmen, Interviews und Animationen lebendig. Jarmusch zeigt die rohe Energie der frühen Auftritte, die Selbstzerstörung und zugleich die nachhaltige Wirkung auf Punk und Subkultur. Iggy erscheint als charismatischer Erzähler, ironisch und reflektiert. Der Film ist Hommage und energiegeladene Erinnerung an eine Band, die Musikgeschichte schrieb. (Otto Römisch)

Noga


Die Musikerin Noga Erez ist mit ihrem kreativen Partner und Lebensgefährten Ori Rousso DIE Musik-Sensation auf den internationalen Bühnen. Provokante Hits wie ‚END OF THE ROAD’ und ‚VIEWS’ füllen die Hallen und machen sie zum heißesten Musikexport Israels. Als sie, von privaten Zerwürfnissen gebeutelt, an ihrem bislang größten Album arbeitet, wird ihr Leben von den politischen Ereignissen in ihrer Heimat erschüttert. Zwischen ausverkauften Konzerten, kompromissloser Kunst und einer Welt im Ausnahmezustand sucht sie nach Antworten – und nach ihrer eigenen Stimme. Mit außergewöhnlicher Nähe erzählen Jono und Benji Bergmann die Geschichte einer Künstlerin, die sich weder vereinnahmen noch zum Schweigen bringen lässt. NOGA ist ein intimes, vielschichtiges und hochaktuelles Porträt über Stardom – und über den Mut, den eigenen Weg zu gehen, selbst wenn die Welt um einen herum ins Wanken gerät.

The Worst Person in the World


Julie ist fast 30 und hat keine Ahnung, was sie für ein Leben führen will. Überwältigt von jeglichen Möglichkeiten, ändert sie immer wieder ihre Richtung. Sie bricht ihr Medizinstudium ab, um sich in der Psychologie – oder doch eher in der Fotografie – zu versuchen. Ihr selbstsicherer 44-jähriger Freund Aksel, der sich längst als Comic-Autor etabliert hat, wünscht sich schon lange ein Kind mit ihr, aber dazu ist Julie noch nicht bereit. Als sie auf einer Party den jungen und energiegeladenen Eivind kennenlernt, steht ihr Leben vor einem weiteren Wendepunkt.

Regisseur Joachim Trier präsentiert eine Zeitgeistkomödie über die Generation der Millennials und die Schwierigkeit, kleine und große Entscheidungen zu fällen. Ein bittersüßer Film, der erheiternde und melancholische Momente der Wahrheit auf die Leinwand zaubert.

“Joachim Triers Tragikomödie befasst sich auf frische und ungekünstelte Weise mit den Unsicherheiten einer jungen Frau, die den Mut hat, sich gegen die gesellschaftlichen Erwartungen an sie zu stellen. Getragen wird der Film vom Charisma der Hauptdarstellerin Renate Reinsve.” (NZZ)

Frances Ha


Ginge es nach Frances, könnte ihr Leben mit Sophie ewig so weiter gehen. Mit Sophie kann sie wunderbare Scheinboxkämpfe ausfechten, von der Zukunft träumen (Sophie als zickige Verlegerin, die ein “Coffee Table Book” über die berühmte Tänzerin Frances herausbringt) und vor allem gemeinsam wohnen. Bis eines Tages die Wirklichkeit vor der Tür steht: Sophie zieht mit ihrem Freund nach Tribeca, und Frances kann sich das Appartement in Brooklyn alleine nicht leisten. Zumal sie beruflich nicht weiter kommt. Als Tänzerin ist sie keine große Nummer, und anstatt sie für eine Weihnachtsaufführung zu engagieren, bietet ihr die Leiterin des Tanzstudios nur einen Bürojob an. Und so stolpert Frances zunächst von einer Katastrophe in die nächste, von einer miesen Absteige in die nächste, noch miesere. Doch Frances ist einfach zu optimistisch, zu sehr dem Leben verhaftet, um sich unterkriegen zu lassen.


Frances Ha, diese “dilettantische Virtuosin” (Der Freitag) ist trotz – oder wegen – ihrer Tollpatschigkeit eine zutiefst sympathische Figur, der man sich unmöglich entziehen kann. Dass der Film in Schwarzweiß gedreht wurde und überwiegend in New York spielt, legt natürlich den Vergleich zu Woody Allens “Manhattan” nahe. Doch weit gefehlt: Formal und inhaltlich erinnert FRANCES HA viel mehr an die Filme der Nouvelle Vague. Frances ist die zeitgemäße Schwester von Antoine Doinel, die zu Musik aus François-Truffaut-Filmen ihre ungelenken und doch so einnehmenden Tanzschritte vollführt und von Noah Baumbach so verliebt in Szene gesetzt wird wie einst Anna Karina von Jean-Luc Godard.

“Doch trotz der deutlichen Verneigung vor der Nouvelle Vague ist Greta Gerwig nicht bloß eine schöne Frau, die Regisseur (und Partner) Noah Baumbach schöne Dinge tun lässt. Die Schauspielerin hat das Drehbuch selbst mitverfasst, und die von ihr mitgeschaffene Figur ist zu jeder Zeit Antrieb des Films, steht nach jedem Schlag wieder auf und muss sich dabei nicht mal verlieben.” (critic.de)

Ausser Atem



Jean-Luc Godards revolutionär inszenierte traurige Nouvelle-Vague-Liebesgeschichte des Pariser Kleinganoven Michel und der amerikanischen Studentin Patricia.

Der Kleinkriminelle Michel (Jean-Paul Belmondo) ist mit einem gestohlenen Wagen unterwegs nach Paris. Als er bei einer Verkehrskontrolle einen Polizisten erschießt, flüchtet er und findet Unterschlupf bei der amerikanischen Studentin Patricia (Jean Seberg), die ihm schließlich zum Verhängnis wird.

All we imagine as Light


In ihrem betörenden Cannes-Gewinner erzählt die indische Regisseurin Payal Kapadia von drei Frauen in Mumbai, die bei einem Ausflug zum Meer Raum für ihre Wünsche finden.

In Mumbai gerät der Alltag der Krankenpflegerin Prabha aus den Fugen, als sie überraschend ein Geschenk von ihrem Ehemann aus Deutschland erhält. Während Prabha sich von ihm entfremdet hat, sucht ihre jüngere, frisch verliebte Mitbewohnerin nach Raum für Zweisamkeit mit ihrem Freund. Zufällig entdecken die Frauen am Strand einen Ort, an dem sich ihre Sehnsüchte erfüllen sollen. Alternativ: Die Krankenschwester Prabha lebt mit ihrer jüngeren Kollegin und Mitbewohnerin Anu in Mumbai. Prabha hat sich von ihrem Ehemann entfremdet und versucht, ihr vergangenes Leben zu vergessen. Stattdessen stürzt sie sich in die Arbeit. Als Prabha von ihrem Mann ein unerwartetes Geschenk erhält, bringt das ihr Leben gehörig durcheinander. Währenddessen ist die unbeschwerte Anu auf der Suche nach einem Ort in der Stadt, an dem sie mit ihrem Geliebten intim sein kann. Eines Tages begeben sich Prabha und Anu auf einen Ausflug ans Meer. Dort stoßen sie auf einen mystischen Wald. Der Ort ist ein Raum der Freiheit und verhilft den Frauen zur Verwirklichung ihrer Träume.

Mit großer Eindringlichkeit und Sensibilität begleitet die indische Regisseurin Payal Kapadia ihre Protagonistinnen durch den Alltag und liefert so ein wahrhaftiges, poetisches und betörendes Porträt des Lebens von Frauen im Zwiespalt zwischen dem Streben nach Autonomie, selbstbestimmter Liebe und den Fesseln der Tradition im heutigen Indien.

»Diese prächtige und moderne Erzählung aus Mumbai ist ein Triumph.«

The Guardian ★ ★ ★ ★ ★

»Ein glühendes Porträt urbaner Beziehungen und unerwarteter Schwesternschaft, das den Wettbewerb in Cannes erleuchtete«

 Variety

Chungking Express


Der Polizist He Qiwu findet sich nach dem Ende einer langjähriger Beziehung in einem tiefen Loch der Trauer wieder. Nach 30 langen Tagen beschließt er den Bottoms Up Club aufzusuchen. Seine Absicht ist, sich sofort in irgendeine Frau zu verlieben, die dort zufällig anwesend ist. Im Auftrag eines kaukasischen Drogenbarons will eine Frau mit einer blonden Perücke mit einigen indischen Einwanderern ein größeres Kontingent Drogen schmuggeln. Doch sie wird von ihren Partnern, denen sie von Anbeginn misstraute, glatt hereingelegt und irrt lange durch die Abfertigungshalle des Flughafens in Hongkong, um diese wieder aufzustöbern, was ihr jedoch nicht gelingt. Frustriert und ausgelaugt betritt sie den Club, wo der Polizist bereits am Tresen hockt, der nun wiederum versucht, die Frau mit der Perücke, von der er nichts weiß, kennen zulernen. Doch sie zeigt ihm erst einmal die kalte Schulter…

Wong Kar-Wais atemberaubendes, stilprägendes Werk verwandelt die vage skizzierten Handlungsvorlagen zu seismografisch genauen Stimmungsbeschreibungen: Momente der Sehnsucht, Verlorenheit und Entfremdung reflektieren einerseits meisterhaft den Charakter der Stadt, verdichten andererseits die Genre- und Lebensbilder zu Szenen von kunstvoller Poesie. CHUNGKING EXPRESS brachte ihn zum Weinen, so Quentin Tarantino einmal, der ihn ins westliche Kino brachte: aus Freude, einen Film so lieben zu können.

Crossing the Bridge – THE SOUND OF ISTANBUL


Nach dem Erfolg seines Melodrams Gegen die Wand entschloss sich der deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin, fünf Jahre nach Wir haben vergessen zurückzukehren, wieder zu einer dokumentarischen Identitätssuche. Gemeinsam mit Alexander Hacke, Bassist bei der Band Einstürzende Neubauten, macht er sich in Crossing the Bridge The Sound of Istanbul mitsamt mobilem Tonstudio auf Entdeckungstour durch die pulsierende Musikszene Istanbuls. Jeder, der schon einmal Istanbul besucht hat, weiß, wie stark diese vibrierende Metropole von Musik durchdrungen und geprägt ist. Aus jedem Laden, an jeder Ecke klingen türkische Songs vom Band, mal Folklore, mal Pop, oft auch Klassisch-Europäisches, sodass alles am Ende zu einem durchaus unverwechselbaren Sound verschmilzt. Crossing the Bridge dokumentiert die Musikszene Istanbuls, indem er dem Musiker Alexander Hacke einfach über die Schulter blickt, während er die Musik der Stadt einfängt. Es beginnt mit der neopsychedelischen Gruppe Baba Zula, es folgen kurdische Folkloristen ebenso wie Istanbuler Rapper. Und zwischendurch interviewt Hacke etablierte Musiker wie Straßenmusikanten. Mosaikartig entsteht auf diese Weise eine sehenswerte, persönliche Liebeserklärung Akins an jene Metropole, in der sich, wie in der Musik, Ost und West, römisches und osmanisches Erbe zu einem pulsierenden multikulturellen Ganzen verbinden. Wie beiläufig entsteht dadurch auch ein Porträt der kulturellen und politischen Situation, das mehr über die Türkei erzählt als manche Identitätsdebatte, die im Zusammenhang mit der türkischen Annäherung an die EU geführt wird. Brücken zu schlagen ist auch eine kulturelle Botschaft. In Istanbul ist es eine alltägliche Lebensform. (Rüdiger Suchsland) – Viennale ’05

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