Freies Kino: Hubert Sielecki – Kurze Filme aus 57 Jahren
Hubert Sielecki (* 1946 in Rosenbach, Kärnten) ist ein bedeutender österreichischer Künstler und Filmregisseur, der vor allem für seine experimentellen Arbeiten und Animationsfilme bekannt ist. Nach seinem Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien (1968–1973) absolvierte er Auslandsstipendien für Trickfilm und Malerei im polnischen Łódź. Die akademische Ausbildung im österreichischen Animationsfilm prägte Sielecki in den Folgejahren maßgeblich: Ab 1982 unterrichtete er das Fachgebiet für experimentellen Animationsfilm, das zunächst an die Meisterklasse der renommierten Malerin Maria Lassnig angebunden war und ab 1991 von Christian Ludwig Attersee fortgeführt wurde. In dieser Zeit baute Sielecki an der Universität das Studio für experimentellen Animationsfilm auf und leitete es, wodurch er eine zentrale Ausbildungsstätte für heimische Medien- und Filmkünstler schuf. Darüber hinaus engagierte er sich international und gründete 1985 die österreichische Sektion der Animationsfilm-Vereinigung ASIFA. Von 1990 bis 1991 gab er sein Wissen zudem als Dozent für Film an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig weiter. Um junge österreichische Talente im Bereich des Experimental- und Animationsfilms zu unterstützen, rief er im Jahr 2007 den Hubert-Sielecki-Preis ins Leben. Künstlerisch zeichnet sich Sieleckis filmisches Schaffen dadurch aus, dass es sich fast ausschließlich um Autorenfilme handelt. Er übernimmt dabei meist sämtliche Produktionsschritte selbst – vom Drehbuch bis hin zur eigenhändig komponierten Musik – und arbeitet häufig mit namhaften österreichischen Künstlern und Schriftstellern zusammen. Neben dem Film widmete er sich bereits ab den 1960er Jahren auch der Objekt- und Aktionskunst sowie Environments. Für sein vielseitiges Werk wurde Sielecki vielfach prämiert. Zu seinen wichtigsten Ehrungen zählen der Theodor-Körner-Preis (1982) sowie der Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst und die Verleihung des Berufstitels „Professor“ durch das Bundeskanzleramt (beides im Jahr 2017). Obwohl er sich seit 2012 offiziell im Ruhestand befindet, ist Hubert Sielecki weiterhin künstlerisch aktiv. Seine weitreichenden Erfahrungen teilt er bis heute regelmäßig im Rahmen von Ausstellungsgesprächen, Artist Talks und kuratierten Filmprogrammen.
MARIA LASSNIG KANTATE | 1992 | Maria Lassnig, H. Sielecki, 35mm | 8:00 Min. DER KURATOR | 2012 | Hubert Sielecki | Digital | 3:40 Minuten TRASHY RAUSGEPUSTET | 2012 | Jochen Kuhn, H. Sielecki, | 2:15 Minuten ABER PASS AUF!!! | 2021 | Pavel Novotny, Hubert Sielecki | 3:25 Minuten DER PRÄSIDENT schaftskandidat | 2016 | Hubert Sielecki | 4:15 Minuten RADETZKYPLATZ | 2010 | Antonio Fian, Hubert Sielecki | 4:00 Minuten
Pause
LAUTGEDICHT | 2007 | Gerhard Rühm, Hubert Sielecki | 2:10 Minuten UNGLEICHE BRÜDER | 2007 | Gerhard Rühm, Hubert Sielecki | 1:50 Minuten ZAHLENGEDICHT | 2007 | Gerhard Rühm, Hubert Sielecki | 2:50 Minuten LEVITATION | 2026| Gerhard Rühm, Hubert Sielecki | 3:00 Minuten IM NOANKASTL | 2007 | Gerhard Rühm, Hubert Sielecki | 2:00 Minuten DIALOG ÜBER ÖSTERREICH | 2013 | Gerhard Rühm, H. Sielecki | 3:20 Minuten DER LÄNGSTE KUSS – Vers. 2 |2014 | Gerhard Rühm, H. Sielecki, | 4:30 Minuten
Freies Kino 29. September 2026, 20:15 Freier Eintritt, Zählkarten an der Abendkassa Eine Veranstaltung vom Künstlerhaus.
Drei Filme von, über und mit Franz West
Zum zweiten Mal machen die Karlsplatz-Nachbar*innen Stadtkino und Wien Museum gemeinsame Sache und verbinden Museum und Kino mit einem spannenden Programm! Im Rahmen der Ausstellung „Franz West und Wien“ im Wien Museum zeigen wir drei Filme von, über und mit Franz West mit anschließendem Gespräch:
Fareed Armaly – you still live in Karl Marx Hof, R: Franz West, Bernhard Riff, AT 1996, 12 min, Originalsprache: dt/engl Die Dekonstruktion und Transformation eines Gesprächsfragments zwischen Fareed Armaly und Franz West: Ausgehend von einer Bildstörung beim Abschalten des Videomonitors wird das Dialoggefüge YOU STILL LIVE IN KARL MARX HOF – NOT A(T ALL) zum Ausgangspunkt einer Diskussion zwischen Franz West, Bernhard Riff und Jürgen Walter, wie lange es dauert, den berühmten Wiener Gemeindebau abzuschreiten und die Gehgeschwindigkeit auf das Störsignal des Videobildes zu übertragen.
a film about Franz West, R: Andreas Reiter Raabe, AT 2018, 43’17 min, Deutsch mit engl. Uts Andreas Reiter Raabe begleitete Franz West zwischen 2007 und 2012 mit der Kamera in seinem Atelier am Wiener Esteplatz. Der daraus entstandene Dokumentarfilm „a film about Franz West“ gibt intime Einblicke in die intuitive Arbeitsweise Wests und die Zusammenarbeit mit Assistent*innen im Atelier.
PREMIERE: Bernhard Riff / Franz West / Heimo Zobernig, R: Bernhard Riff, Franz West, Heimo Zobernig, AT 1999/2026, 12’26 min, Deutsch Video in drei Teilen: A – VORBESPRECHUNG. Gemeinsame Gedanken. Mit Franz West (Co-Initiator), Christian Meyer (Produzent), Doris Krumpl (Tänzerin), Janc Szeniczei (Grundwasser und U-Bahn), Getraut Gürtler (Tänzerin) und Bernhard Riff (Kameramann). B – Ankunft Heimo Zobernig (Initiator und Tänzer). TANZ-COLLAGE. C – AUSKLANG. Voller Hoffnung, tanzend (2. Kamera: Franz West).
Nach den Filmen Gespräch mit den Regisseuren Andreas Reiter Raabe, Bernhard Riff sowie den Kurator*innen der Ausstellung „Franz West und Wien“ Vincent Weisl und Judith Nicka-Stöckl.
Tipp: Ausstellung: FRANZ WEST UND WIEN im Wien Museum 6. November 2026 – 2. Mai 2027 im Wien Museum Kurator*innen: Vincent Weisl, Judith Nicka-Stöckl In Kooperation mit Franz West Privatstiftung
Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen
Claudia Müllers Film über Elfriede Jelinek, die 2004 als erste österreichische Schriftstellerin mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, stellt ihren künstlerischen Umgang mit Sprache in den Mittelpunkt. Vielschichtig und assoziativ nähert er sich der Kunst seiner Protagonistin mit ihren eigenen sprachkompositorischen Verfahren. Unter Mitwirkung und mit den Stimmen von Ilse Ritter, Sandra Hüller, Stefanie Reinsperger, Sophie Rois, Maren Kroymann und Martin Wuttke ist ein vielschichtiges und faszinierendes Filmporträt entstanden.
die WOLLE der MENSCH das SCHAF
Im Herzen Europas verbirgt sich ein Paradox: Während wir über Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sprechen, wird mehr als die Hälfte unserer Wolle – einer der natürlichsten und vielseitigsten Rohstoffe – weggeworfen oder verbrannt.
die WOLLE der MENSCH das SCHAF begleitet zwei traditionelle Schäfer in Transsilvanien durch ein ganzes Jahr. Ihr Alltag bildet den erzählerischen roten Faden, der 14 Interviews aus 11 Ländern miteinander verbindet. Schäfer, Wissenschaftler, Designer, Handwerker, Textilunternehmen und Marken erklären, wie aus einem wertvollen Material Abfall wurde, und zeigen, welches Potenzial noch immer in ihm steckt.
Schafe erhalten unsere Kulturlandschaften, fördern die Artenvielfalt und helfen, Erosion und Brände zu verhindern. Dennoch werden diese unverzichtbaren Leistungen kaum anerkannt, und viele Schäfer kämpfen ums Überleben.
Der Film zeigt, dass es keine wertlose Wolle gibt. Was fehlt, sind Wissen, Infrastruktur und regionale Wertschöpfungsketten. Wolle wieder wertzuschätzen bedeutet, nicht nur einen Rohstoff zu bewahren, sondern auch Landschaften, Schafrassen, Handwerk, Kulturen und eine nachhaltigere Form des Zusammenlebens mit der Natur.
Ein Nobody gegen Putin
Die unglaubliche Geschichte eines russischen Lehrers, der den Mut hatte, Putins Propagandamaschine zu entlarven.
Der Film begleitet den russischen Lehrer und Videografen Pavel Talankin in einer kleinen Stadt im Ural, dessen Schulalltag sich nach Beginn des Ukrainekriegs radikal verändert. Was früher ein Ort für Unterricht und Austausch war, wird zunehmend von patriotischen Ritualen, militärischer Symbolik und staatlicher Propaganda bestimmt. Talankin soll diese Veranstaltungen dokumentieren – und beginnt stattdessen, heimlich festzuhalten, wie Ideologie und Angst in den Alltag von Lehrer*innen und Schüler*innen eindringen.
Der Film folgt seinem wachsenden moralischen Konflikt und zeigt, wie aus einem unauffälligen Beobachter ein widerwilliger Zeuge wird. Ohne große Gesten erzählt die Dokumentation von Zivilcourage im Kleinen: vom Versuch, Wahrheit festzuhalten, wenn Schweigen sicherer wäre. Dabei entsteht ein eindringliches Bild davon, wie politische Macht in persönliche Beziehungen hineinwirkt – und wie gefährlich es werden kann, einfach nur hinzusehen und nicht mehr wegzuschauen.
Ausgezeichnet mit dem Oscar® und dem BAFTA als Bester Dokumentarfilm sowie eingeladen zu über 100 internationalen Filmfestivals zählt EIN NOBODY GEGEN PUTIN zu den international meistbeachteten Dokumentarfilmen des Jahres. Mit trockenem Humor und großer Menschlichkeit erzählt der Film von Mut, Zivilcourage und der Kraft der Wahrheit – und eröffnet einen seltenen Einblick in das russische Bildungssystem.
★★★★★ »Ein Ausnahmefilm unter den Kriegsdokumentationen – ernst und zugleich voller Leichtigkeit und Persönlichkeit.« – IndieWire
★★★★★ »Ein eindringlicher Blick auf den Widerstand eines Einzelnen gegen Putins patriotische Indoktrination.« – The New York Times
★★★★★ »Seltene Einblicke in eine zunehmend repressive Nation.« – TipBerlin
★★★★★ »Ein fesselndes und mutiges Porträt des Widerstands.“ – Toronto Star
Corsage
Mit CORSAGE gelingt der Wiener Regisseurin und Drehbuchautorin Marie Kreutzer (GENTLE MONSTER) die Neuerfindung der „Sisi”. Angelehnt an der historisch gut dokumentierten Biografie der berühmten Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn entblättert die Filmemacherin Schicht um Schicht den fragilen Seelenzustand der Monarchin und schenkt ihr das Narrativ einer furchtlosen, radikalen Frau. Kreutzer gelingt mit tiefer Empathie für die ikonische Kaiserin die Darstellung ihres Wandlungsprozesses zu einem freien Menschen, der sich von jedem Status, jeder Körperlichkeit und jedem Erwartungsdruck löst. Unerschrocken und gleichzeitig mit großer Leichtigkeit traumwandelt die Schauspielerin Vicky Krieps als Elisabeth durch eine misogyne, feindselige Welt, in der sie sich unter den Augen der Öffentlichkeit und ihrer Familie ihren neuen Platz im Leben sucht. Zum ersten Mal in der deutschen Filmgeschichte wird Kaiserin Elisabeth somit ein authentischer Mensch und eine Frau, die auf einmal so unglaublich nahbar und nachvollziehbar wird.
La Perra
Auf einer abgelegenen, vom Wind gepeitschten Insel vor der chilenischen Küste verdient Silvia ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln von Seetang und führt ein ruhiges Leben an der Seite ihres Partners. Als sie den streunenden Welpen Yuri bei sich aufnimmt, sind ihre Tage erfüllt von Freude, Liebe und einer Zärtlichkeit, die eine lange unterdrückte Sehnsucht nach Mutterschaft weckt. Doch Yuris plötzliches Verschwinden lässt ein quälendes Kindheitstrauma wieder aufleben und zwingt Silvia, sich einer Vergangenheit zu stellen, die sie nie wirklich hinter sich gelassen hat.
Journey There
An einem Frühlingstag zieht Chun-hee in ein altes Apartmenthaus nahe eines Krankenhauses. Dort begegnet sie Min-jun, einem in Deutschland aufgewachsenen Dirigenten, der nach Korea gekommen ist, um seine leibliche Mutter zu finden. Während er auf Neuigkeiten wartet, gibt er Chun-hee Klavierunterricht und ermutigt den Waisenjungen Seong-chan, von einer Zukunft als Pianist zu träumen. Chun-hee hatte beschlossen, gemeinsam mit ihrem Mann durch Sterbehilfe aus dem Leben zu scheiden. Doch bevor dieser Plan Wirklichkeit werden kann, stirbt ihr Mann unerwartet.
Homeward Bound
Jeong-ha arbeitet als Lehrerin an einer Oberschule in der südkoreanischen Stadt Chuncheon. Eines Tages taucht ihr Sohn Jin-woo, der in Kanada studiert, unangekündigt mit seiner Freundin Jenny auf. Kurz darauf reisen auch Jennys Eltern überraschend aus Kanada nach Chuncheon. Durch unerwartete Umstände verbringen die beiden Familien schließlich Zeit unter einem Dach – und nach und nach kommen lange verborgene Geheimnisse ans Licht.
Endometriose Film Festival
Eine Initiative von Ranya Schauenstein in Kooperation mit den landesweiten Endometriose Vereinen und lokalen Selbsthilfegruppen.
Fünf Jahre nach der Premiere von nicht die regel kehrt der Dokumentarfilm ins Stadtkino zurück: Und mehr! Anlässlich des Jubiläums richtet Regisseurin Ranya Schauenstein das erste österreichische Endometriose Film Festival aus. Das Programm umfasst den Dokumentarfilm sowie den künstlerischen Kurzfilm „Hysterical Sisters“ (Chiara Schreder, 2021), der auch zum Jubiläum wird. „Endometriose hat in den letzten fünf Jahren viel Bewusstsein bekommen, aber viele Aspekte im Zusammenhang mit der Erkrankung bleiben unsichtbar. An diesem Abend wollen wir ein paar dieser Perspektiven betrachten“, sagt Ranya Schauenstein.
Neben den beiden Disease-Awareness-Filmen wird die chronische Erkrankung Endometriose nicht nur im medizinischen, sondern auch im arbeits- und sozialrechtlichen Winkel betrachtet. Darüber diskutieren Expert:innen nach dem Film im Panel. Ebenso sprechen die zwei Filmemacherinnen über die Hintergründe ihrer Filme und das Medium Film zur medizinischen Wissensvermittlung.
Erstes Panel:
-Ranya Schauenstein, Regisseurin nicht die regel -Chiara Schreder, Regisseurin Hysterical Sisters -Christina Laas-Smulik, Darstellerin Hysterical Sisters -Daniela Hanusch, Obfrau Verein EVA – Endometriose Vereinigung Austria
Zweites Panel:
-Mag.a. Kristina Hametner, Leiterin des Frauengesundheitsbüros Wien -Dr. med. Nina Böck, Leiterin des Genderreferats Ärztekammer Österreich -Gawhar Musleh, Gesundheitsberaterin FEM Med + FEM Süd, Favoriten -Tba. Verein MedInUnity -Tba. Arbeiterkammer Wien
Durch das Programm führt Mari Lang.
Di, 29. September 2026, 17:00 Ticketpreis: 15€ (Nur Kauf) Mit nonstop: Online-Reservierung möglich. Aufpreis: € 4,50 (zahlbar bei Abholung an der Kinokassa)
Der Film begleitet drei Frauen, die mit der Diagnose Endometriose leben und gibt persönliche Einblicke, wie Betroffene das Leben mit der Krankheit bewältigen. Damit hat der Film Endometriose 2021 erstmals aus ihrem Schattendasein geholt. Der Film in einem neunköpfigen Team von Betroffenen für Betroffene produziert. Mit überwältigendem Feedback der Patient:innen und umfangreicher internationaler Medienresonanz hat nicht die regel Betroffenen Mut gemacht, mit Mythen aufgeräumt und für gesellschaftliches Bewusstsein gesorgt. Neben Deutschland und der Schweiz gab es auch Vorführungen in Südtirol. Trailer
Über Hysterical Sisters:
Hysterical Sisters ist ein künstlerischer Awareness-Kurzfilm der österreichischen Regisseurin Chiara Schreder über Adenomyose und Endometriose. Durch eine Symbiose aus Tanz, Musik und Spoken Word verleiht der Film den körperlichen und emotionalen Belastungen von Millionen Betroffenen eine Stimme. Die personifizierten „hysterischen Schwestern“ stehen sinnbildlich für chronische Schmerzen, Isolation und gesellschaftliche Vorurteile. Auf einer abstrakt symbolischen Ebene macht der Film die Auswirkungen der Erkrankungen durch die poetische Bildsprache greifbar. Trailer