Von 18.–22. Mai 2026 findet das 2. Wiener Arbeitsfilmfestival im Stadtkino im Künstlerhaus und Admiralkino statt.
Das Arbeitsfilmfestival bringt eine Arbeitswoche lang die neuesten und relevantesten Filme zu Arbeit, Beruf und Bildung ins Kino. Greifbare Bilder, die gesellschaftspolitische Debatten über eine humanere Arbeitswelt und gerechtere Bildung anstoßen.
Heuer dreht sich beim Festival alles um das Schwerpunktthema: Frauen.Arbeit.Film.
Schulprogramm
Mit einem eigenen Schulprogramm knüpfen wir an den besonderen Erfolg vom Vorjahr an. Auf vielfachen Wunsch von Schulen und Lehrkräften finden die Schulvorstellungen in der letzten Schulwoche von 29. Juni bis 3. Juli 2026 statt. In dieser Programmschiene gibt es Filme, die allgemeine Themen rund um Lernen und Berufe aufgreifen, und solche, die spezielle Berufsfelder, wie z.B. die Pflege, Handel oder Gastronomie betreffen. Dank der Unterstützung durch die AK Wien ist der Besuch dieser Vorstellungen wieder bei freiem Eintritt möglich. Schulklassen/Gruppenanmeldungen bitte per E-Mail an: martina.scharrach@phwien.ac.at
Die Eröffnung mit einem abwechslungsreichen Kurzfilmprogramm findet am Montag, 19. Mai 2025 um 19.30 Uhr statt.
Weitere Infos finden Sie hier: www.arbeits-film-festival.at
Weitere Vorstellungen finden im Admiral Kino, Gartenbaukino und Filmmuseum statt.
Programm
Eröffnung Arbeitsfilmfestival 2026
In Zusammenarbeit mit Vienna Shorts und Tricky Women widmet sich die Eröffnung des Wiener Arbeitsfilmfestivals den vielen Facetten von Frauenarbeit – als Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Care-Arbeit. Dokumentar-, Spiel- und Animationsfilme eröffnen dabei unterschiedliche ästhetische und inhaltliche Zugänge. Im Austausch mit Filmemacher:innen und Kurator:innen verdichtet sich das Anliegen des Festivals zu einem vielstimmigen, konzentrierten Filmabend, moderiert von Petra Erdmann (Ö1, FM4).
Grußworte von Ilkim Erdost (Arbeiterkammer Wien) und Marko Miloradovic (waff).
Mo, 18. Mai, 19:30 – freier Eintritt – Anmeldung erforderlich
Die Göttliche Ordnung
R: Petra Volpe, CH 2017, 92´, deutsch OV
„Frauen in der Politik, meine Damen, das ist schlichtweg gegen die göttliche Ordnung.“
Schweiz, 1971. In der Abgelegenheit eines dörflichen Idylls lebt Nora, Hausfrau und Mutter, eingebettet in einen Alltag, der von Pflichten durchzogen und von scheinbar unverrückbaren Rollenbildern bestimmt ist. Ihr Leben verläuft still und unpolitisch, bis die bevorstehende erneute Volksabstimmung über das Frauenwahlrecht die Selbstverständlichkeit des Gegebenen infrage stellt.
Petra Volpe verdichtet in „Die göttliche Ordnung“ den privaten Raum zu einem politischen Resonanzraum, zu einem Ort, an dem sich zwar gesellschaftliche Machtverhältnisse, tief verankerte patriarchale Strukturen und soziale Dynamiken reproduzieren und fortschreiben, zugleich allerdings auch hinterfragt werden können. Soweit, bis aus einem leisen Zweifel ein Bewusstsein erwächst, das in politische Selbstermächtigung und Widerstand übergeht. (Tessa Pittrof)
Einführung durch Veronika Helfert, Historikerin (Central European University)
Mi, 20. Mai, 17:30 – Eintritt frei – Anmeldung erforderlich
AMS – Arbeit muss sein
R: Sebastian Brauneis, A 2026, 100′, deutsch OV
In der Komödie rund um ein fiktionales AMS, das „Arbeitsplatz-Matching-System, schließt sich eine Gruppe von Langzeitarbeitslosen zusammen, um gemeinsam gegen Strukturen zu kämpfen, die sie hindern, das Leben zu führen, das sie wollen. Dabei braucht es Zusammenhalt, Erfindungsgeist und Verbündete innerhalb des Systems.
Marie Wotruba (Margarethe Tiesel) bekommt mit ihren 58 Jahren in der modernen Arbeitswelt keinen Job mehr, Mahdiya Sayegh (Mariam Hage) will als Frau mit Migrationshintergrund Polizistin werden – und das kann sich die AMS-Beraterin Kathi Kratochvil (Marie-Luise Stockinger) schlicht nicht vorstellen. Gemeinsam mit anderen Betroffenen nehmen Marie und Mahdiya ihr Schicksal selbst in die Hand und finden im Callcenter-Mitarbeiter Markus Berger (Lukas Watzl) einen Mitstreiter.
Was wie ein klassisches Sozialdrama beginnt, entwickelt sich überraschend schnell zu einer schwungvollen Komödie mit musikalischem Elan über Selbstermächtigung, Zusammenhalt und den Mut, füreinander einzustehen.
Filmgespräch mit Regisseur Sebastian Brauneis
Mi, 20. Mai, 20:00 – Tickets
Premiere: Ich verstehe Ihren Unmut
R: Killian Armando Friedrich, D 2026, 93´, deutsch OV
Heike (59) ist Objektleiterin einer Reinigungsfirma. Sie vermittelt zwischen Kundinnen, Reinigungskräften und Firmenchefs. Der Versuch, den Mitarbeiter eines Subunternehmens abzuwerben, schlägt fehl. Daraufhin muss sie ihr eigenes Team – alle sind Migrantinnen oder ältere Menschen – reduzieren. Fällt eine Arbeitskraft aus, springt Heike ein.
Der Film von Killian Armando Friedrich wirft Zuschauende in eine oft übersehene und gesellschaftlich stigmatisierte Welt. Unangenehm nah klebt die Kamera an Menschen, deren Solidarität untereinander immer wieder systematisch ausgehebelt wird. Persönliches Miteinander hat hier nur so lange Platz, bis die Chefin hinschaut und zur Arbeit ermahnt. Wer streiken will für bessere Arbeitsbedingungen, lässt das Team im Stich.
„Ich verstehe Ihren Unmut“ zeichnet das Bild von Arbeiter*innen, die zwischen den erdrückenden Strukturen des Systems kaum die Kraft aufbringen können, sich selbst und anderen zu helfen.“ (Dennis Yildiz, CINEMATE)
In Kooperation mit Crossing Europe und Stadtkino Filmverleih
Filmgespräch mit Hauptdarstellerin Sabine Thalau, Produzent Rafael Kousz und Co-Autor Daniel Kunz
>> Das Gespräch wird live ins KIZ RoyalKino Graz und Leokino Innsbruck übertragen!
Do, 21. Mai, 20:00 – Tickets
Junge Mütter
R: Jean-Pierre & Luc Dardenne, B/F 2025, 104´, DF
Mehr Schau- als Arbeitsplatz: ein Heim für minderjährige Mütter. Sozialarbeiterinnen versuchen, die Lücke zu füllen, die die Eltern der Protagonistinnen hinterlassen haben. Ein Kind zu bekommen, war als Teil der Lösung gedacht. Perla (Lucie Laruelle) möchte eine Familie, Jessica (Babette Verbeek) ihre Mutter kennenlernen. Ariane (Janaïna Halloy Fokan) möchte Sicherheit für ihr Kind, Julie (Elsa Houben) Inzest und Drogenabhängigkeit hinter sich lassen. Naïma (Samia Hilmi) hofft auf einen Weg zurück in ihre Familie.
Stilistisch baut der Film auf den dokumentarisch grundierten Sozialrealismus, für den die Filmemacher stehen. Junge Mütter waren seit jeher Objekt der Fürsorge. Ihre Eltern, selbst marginalisiert, werden zu Täter:innen, die ihre Kinder verlassen, allen voran die Väter. Die Arbeit im Heim setzt am Ende der Kette an, aber sie bleibt gegen die Macht der Verhältnisse hilflos. Ob Sozialarbeit einen Unterschied macht? Wir wissen nicht, was kommt, und die Belastungen der jungen Frauen erscheinen auch dann noch überwältigend, wenn glückliche Fügungen einen Lichtblick verschaffen.
Begrüßung durch Iris Dullnig-Scheurecker, AK Wien – Abteilung Frauen- und Gleichstellungspolitik
Fr, 22. Mai, 18:00 – Eintritt frei – Anmeldung erforderlich